Deutsch-Amerikanischer Almanach

Lucius Grossheim
Beispiele für Aussagen US-amerikanischer Gefängnisinsassen im Internet

1. "A small country of throwaway people"

Die USA sind das Land mit der weltweit größten bekannten Inhaftierungsrate gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl. Daran hat sich seit Marc Mauers überarbeitetem internationalen Vergleich von 1992 nichts geändert; im Gegenteil (Churchill und Vander Wall 22-37). Der Guardian meldete am 15.02.2000 den zweimillionsten Häftling in den Vereinigten Staaten unter dem Untertitel "The land of the free is now home to 25% of the world's prison population" (Campbell n. pag.). Und der enorme Anstieg der Gefängnispopulation in den letzten 20 Jahren läßt sich nicht etwa auf steigende Kriminalitätsraten zurückführen: Zwischen 1980 und 1992 etwa sank die Verbrechensrate um 3,5 Prozent (bei einem Rückgang von 15 Prozent zwischen 1980 und 1984), während sich die Zahl der Gefängnisinsassen in dieser Zeit verdoppelte. Nach Mauer reflektiert der Anstieg der Inhaftierungsrate bewußte politische Entscheidungen; er ist vor allem Folge schärferer Gesetze, nicht steigender Kriminalität (Churchill und Vander Wall 27f)[1] . So verwundert es nicht, daß John Irwin und James Austin Elemente eines US-amerikanischen "Imprisonment Binge" zeigten und Nils Christie von der Schaffung von "GULAGS, Western Style" spricht (Irwin und Austin; Christie). Helen Prejean, bekannt geworden durch das Buch und den gleichnamigen Film Dead Man Walking, spricht von der Schaffung eines "small country of [...] throwaway people" (Chevigny xi).

Daß mit dem übermäßigen Wegsperren von Menschen eine Menge Geld verdient werden kann, zeigen private Betreiberfirmen. Bereits 1983 wurde in den USA das erste Gefängnis der Corrections Corporation of America CCA (www.correctionscorp.com) eröffnet. Ein Jahr später schaffte der Kongreß mit den sogenannten Mandatory Sentencing Laws die Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung fast vollständig ab und setzte verbindliche Mindeststrafen fest. Seitdem steigen die Gefangenenzahlen drastisch, und die Gefängnisindustrie ist zum "big business" geworden - zeitweise erzielten Aktien der CCA Gewinne von 1000 Prozent (Bloomer 14-19). Schon damals wurde der Begriff des "prison-industrial complex" geschaffen. In seinem neuen Buch "Going Up the River" vertritt auch Pulitzerpreisträger Joseph Hallinan die These, in den Vereinigten Staate habe die Gefängnisindustrie die Funktionen des militärisch-industriellen Komplexes übernommen, und das nicht nur was die Schaffung von begehrten Arbeitsplätzen in strukturschwachen Regionen angeht: Die Parallelen zum Kalten Krieg seien nicht nur ökonomischer Natur, die bewußt geschürte Angst vor Kriminalität sei zu einem massenpsychologischen Phänomen wie die Kommunistenfurcht in den 60er und 70er Jahren geworden (Hallinan; Lischka 15).

Die Abkehr vom Prinzip der Rehabilitation hin zu Strafe und Profit schafft keine integrationsfähigen Häftlinge (was die hohen Quoten erneuter Straffälligkeit nach der Entlassung belegen) und befördert die Gewaltbereitschaft der Gefangenen, die unter schlechteren Haftbedingungen in überfüllten Anstalten wenig oder keine Möglichkeit zu sinnvoller Beschäftigung haben: So ist auch minimal bezahlte Gefängnisarbeit um so erwünschter.

Das US-amerikanische "criminal justice system" bietet also in seiner Gesamtheit betrachtet ebenso zahlreiche Angriffspunkte wie in der Einzelanalyse seiner gesetzlichen Bestimmungen (vgl. hierzu Walker, 1994). Inzwischen ist allgemein bekannt, daß die in "Get Tough"-Rhetorik der Politik verpackten Maßnahmen des sogenannten "War on Crime" und "War on Drugs" besonders hart sozial Schwache, Schwarze und Angehörige anderer Minderheiten treffen. Schon in den 70er Jahren wurden verschiedene theoretische Ansätze zu einem endemisch rassistischen Justiz- und Strafvollzugssystem und Modelle einer "neuen" oder "radikalen" Kriminologie geliefert.[2] Tatsache ist, daß bereits 1992 die Inhaftierungsrate von African-Americans sechs Mal so hoch war wie die von Weißen: Das bedeutete, daß - statistisch gesehen - einer aus vier männlichen African-Americans früher oder später im Lauf seines Lebens eine Gefängnisstrafe verbüßen würde. Churchill schreibt:

If the present upward trend holds, as it has for sixty years [...], half of all African American males will go to prison by the end of the present decade [2000]. For American Indian men, the rate is already one in every 3.5, and also rising. Ladinos [sic] currently fill prison cells at a rate double their proportion of society as a whole, and their incarceration is too increasing steadily.
(Churchill und Vander Wall 12)

Aktuelle Zahlen bestätigen erschreckend hohe selektive Inhaftierungsraten[3] ; Steven Donziger vom Sentencing Project spricht von einer 80-prozentigen Chance für in Großstädten lebende afroamerikanische Männer, mindestens einmal im Leben eine Haftstrafe zu verbüßen (vgl. Weingartner). Wie aus Marc Mauers Übersicht hervorgeht, erhalten nicht-Weiße 30 Prozent härtere Strafen als Weiße bei Verurteilung für gleiche Vergehen; Jennie Vander Wall zeigt, daß etwa 50 Prozent der Häftlinge in Todeszellen nicht-Weiße sind, obwohl etwa zu zwei Dritteln Weiße zum Tode verurteilt werden (vgl. Churchill und Vander Wall 22-37; 299-310). Es ist mehrfach darauf hingewiesen worden, daß Angehörige von Minderheiten öfter von der Polizei kontrolliert werden und ein bekanntermaßen höheres Verhaftungsrisiko tragen (vgl. Eskenazi). Diese Aufzählung ließe sich fort-setzen. Für Ward Churchill sind solche Effekte bewußt geplant; sie fügen sich in ein Bild von "internal imperial dynamic" und "internal colonies of non-whites":

The signs are [...] strong that this is so because the government's forecast for the short run future shows worsening socio-economic conditions for people of color - and probably appreciable segments of the Euroamerican population as well - generating vastly increased numbers of social prisoners. This in turn is expected to produce a rapid sharpening of political struggle which will fill new facilities designed both for the politically conscious, and for those deemed most likely to become so.
(Churchill und Vander Wall 18)

Wie aber sehen die Gefangenen selbst ihre Rolle im US-amerikanischen "criminal justice system"? Beginnen sie wirklich, wie Katharina Weingartner in ihrer TV-Dokumentation "Too Soon for Sorry" andeutet, sich vermehrt über ihr Zugehörigkeitsgefühl zu den "Neighborhoods", "Projects" oder "Barrios" sozialer de-facto-Segregation zu definieren und gelangen so zu der Erkenntnis, Gefangene eines gezielten staatlichen Vorgehens gegen eine (bewußt geschaffene) permanente soziale Unterschicht - und damit eben auch gegen bestimmte Minderheiten zu sein? Geben direkte Aussagen US-amerikanischer Gefängnisinsassen Hinweise für eine derartige Politisierung der eigenen Haftsituation, und kann das Internet in seinen besonderen medialen Eigenschaften hier neue Impulse bieten?

2. Rahmenbedingungen und Probleme der Recherche

Schon immer spielte die Kontrolle von Aussagen von Gefängnisinsassen eine wichtige Rolle im US-amerikanischen Strafvollzugssystem. Cummins schreibt:

Since the dawn of the prison in America during the early federal period, the struggle over prisoner's reading and writing and the need to keep the populace from reading prison-written texts, or at least to control their form and content, has been at the very heart of the issue of how power was to be distributed, or redistributed, in the culture.
(Cummins 264)

Entsprechende Aussagen sind abhängig von politischen Maßgaben und politischer Ausrichtung des Strafvollzugs, wie sich an Texten der "treatment-era" belegen läßt. Cummins zeigt eindrucksvoll anhand von Wechselwirkungen des entstehenden "prison movement" mit gesellschaftlichen Strömungen und politischen Bewegungen in der kalifornischen Öffentlichkeit zwischen 1940 und 1980, daß diese wechselseitigen Relationen mit und zur 'Außenwelt' eine entscheidnde Rolle spielen. Je größer die öffentliche Aufmerksamkeit in Bezug auf die Gefangenen beziehungsweise die Rezeptionsbereitschaft für ihre Aussagen, desto rigider bewies sich allerdings auch die Kontrolle der Kommunikation zwischen Gefangenen und Öffentlichkeit (Cummins 263f). Spätestens nachdem sich die "rehabilitative Ausrichtung" des Strafvollzugs als leere Versprechung erwiesen hatte, kehrte man zu strikter Zensur und weitgehender Isolation der Gefangenen zurück (Cummins 253).

Bell Gale Chevigny sieht die letzten Jahrzehnte im Bezug auf die Rahmenbedingungen für die Entstehung von Gefängnistexten im Wesentlichen gekennzeichnet durch eine enorme Verschiebung der öffentlichen Akzeptanz für Rehabilitationsprogramme und Reformideen hin zur Befürwortung eines reinen Systems der Strafe, der wachsenden Politisierung der Gefängniskultur und dem Entstehen eines "prisoners' rights movement" in den späten 60er und frühen 70er Jahren, seinem Ende im geschwundenen Interesse an der Situation der Gefangenen und dem Aufkommen einer "Get Tough"-Rhetorik als funktionaler Voraussetzung für politischen Erfolg. Der harte Kurswechsel der Politik zeigte drastische Auswirkungen auf die Lebensbedingungen im Gefängnis, wie sie etwa Victor Hassine in Life Without Parole: Living in Prison Today beschreibt. Politisches Leben habe sich vollständig aufgelöst (vgl. Chevigny xiii ff). Obwohl Organisationen wie PEN oder David Rothenbergs Fortune Society bis heute "writing programs" in Gefängnissen unterstützen, wurden besonders unter dem konservativen "onslaught" der Reagan-Regierung verbliebene Kursprogramme zum größten Teil gestrichen, Gefängniszeitungen abgeschafft und die Bedingungen der Zensur verschärft. Auch Magazine außerhalb der Gefängnisse hatten keinen leichten Stand:

Support for prison writing plummeted [...] Under Reagan, the NEA severely cut financial aid to fledgling magazines, and by 1984, every journal devoted to prison writing had gone under. Prison newspapers, a vital branch of this literature, began to lose support in this era. Now, with the notable exceptions of the distinguished Angolite in Louisiana and Prison Legal Notes in Washington State, most have been suppressed.
(Chevigny xx)

Hier könnten die Möglichkeiten des Internet neue Chancen bieten und entsprechenden Magazinen eine breitere Plattform verleihen.[4] Ebenso könnte das Internet als relativ anonymes Medium mit bekannten Problemen der Rückverfolgbarkeit die Veröffentlichung kritischer Aussagen von Gefangenen erleichtern und offenere - eventuell unter falschem Namen gepostete - Aussagen befördern. Allerdings kann bei Aussagen, die ausschließlich im Internet zu finden sind, kein Rückfluß der Ideen in die Gefängnisse stattfinden - nach Cummins eine der wesentlichen Voraussetzungen für eine etwaige (Re-)Politisierung (93ff).

Die Recherche im Internet ergibt mehrere Probleme. Gefängnisinsassen haben keinen Zugang zum Internet. Aussagen, die sich finden, sind also nicht von den Gefangenen selbst ins Netz gestellt und eventuell editiert. Ebenso vielfältig wie die möglichen Motivationen für Aussagen von Gefangenen - und die möglichen Gründe, diese im Internet öffentlich zu machen - sind die Textdokumente von Gefangenen, sofern sie diesen überhaupt eindeutig zuzuordnen sind. Zahlreiche Sites sollen auf die konkrete Situation von Häftlingen aufmerksam machen oder ihre laufenden Gerichtsverhandlungen dokumentieren. Ungezählte "support groups" bieten die unterschiedlichsten Ansätze, Quellen und Dokumente. Eine beträchtliche Anzahl der Internet-Seiten ist der rechtlichen Unterstützung von Gefangenen gewidmet oder soll über juristische Möglichkeiten informieren; so bietet etwa PrisonZone neben Beispielfällen und Referenzen eine 40-seitige Anleitung zum Thema des "Plea Bargaining", das einen Public Defender - oder "Public Pretender" - überflüssig machen soll (Fenster, Brett. A Guide to Successful Plea Bargaining. www.prizonzone.com/pleacircus; vgl. a. Prison Legal News. www.prisonlegalnews.org). Andere Projekte ermöglichen einen Einblick in die Haftrealität von Gefangenen mit Bildern und Tondokumenten oder verbinden Photogalerien aus Gefängnissen mit Sammlungen von Gefangenenkunst (vgl. 360degrees. www.360dgrees.org; All Things Considered: Prison Diaries. www.npr.org/programs/atc/prisondiaries; vgl. a. The Fortune Society. www.fortunesociety.com).

In den Site-Beschreibungen für den Eintrag bei einer Suchmaschine liest sich das zum Beispiel so:

"Native American Prisoners by waste_winyan_cikala: Bringing people the NA inmates some closer, try to warm their hearts for them and find some pen pals and much more, please check out my sites, thank you" (Ironlodge. www.home.t-online.de/home/cikalawin/ironlodge.htm);
"wrongfully convicted 25 years ago by charleswakefield91193: innocent man needs pro bono attorney & investigate assistance. Also need writer or student to write story." (Charles Wakefield's Homepage. www.homestead.com/charleswakefield);
"Death Row: Jimmy Coney is on Death Row in Florida for a crime he says he didnt [sic] commit" (vgl. The Jimmy Coney Homepage. www.geocities.com/Athens/Cyprus/6817/ );
"Inside Virginia Prisons: Dedicated to improving prison conditions in Virginia prisons by reporting abuse and torture." (Inside Virginia Prisons. www.vadoc.com);

oder aber:
Terry my guy and florida state prison by allbymyselfs: About my man Terry, met as a panpal [sic] 6 years ago. He is in FSP for a life sentence which i [sic] do not believe should be. I just started his page it will have alot to offer [sic]" (o. Titel. www.geocities.com/terysgirl_4ever/).

Einerseits läßt sich eine außerordentliche Zahl Internetseiten zum Themenkomplex des Criminal Justice System beziehungsweise zu "Crime and Punishment" finden: Zum Beispiel versammelt Bill Bickel unter diesem Stichwort Linksammlungen zu mehr als 700 Sites (About: Crime/Punishment. www.crime.about.com); und allein das Verzeichnis des "True Justice" Webring zeigt derzeit 297 Mitgliederseiten und lädt jeden zum Betritt ein, der sich mit "reform from prevention, judicial or sentencing reform, prison reform, prison ministry, [...], restorative justice" oder ähnlichen Themen befaßt (vgl. True Justice Webring Page. www.eaznet.com/~jet/justice.htm). Zahlreiche andere Webrings entstehen unter Namen wie "Innocent Behind Bars - The Truth About Injustice", "Death Penalty Abolition Webring" oder bieten Briefkontakte zu Gefängnisinsassen wie das "Pals Online Network".[5]

Andererseits hat sich bei meinen - zeitlich beschränkten - Recherchen die Zahl der direkten Aussagen von Gefängnisinsassen als relativ klein erwiesen. Es erscheint also äußerst problematisch beziehungsweise unmöglich, verallgemeinernde oder annähernd repräsentative Aussagen zu den Textdokumenten der Gefängnisinsassen zu treffen. Obwohl sich innerhalb der langen Tradition der Gefängnisliteratur eigene Genres entwickelt haben, die mehrere Textformen einschließen, und eine vergleichende Erfassung wiederkehrender Motive etwa in fiktionalen und lyrischen Texten von Gefangenen wertvolle Erkenntnisse liefern würde, kann hier auf solche Ausdrucksformen nicht eingegangen werden. Bei meinen Recherchen fanden sich bestenfalls Auszüge entsprechender Texte, die oftmals Buchveröffentlichungen von Gefangenen oder Ex-Gefangenen bewerben beziehungsweise auf Veröffentlichungen in Printmedien hinweisen. Ebenso soll hier nicht versucht werden, Aussagen über die psychische Verfaßtheit von Gefängnisinsassen, ihren Werdegang oder ihr 'Verhältnis zur eigenen Tat' - beziehungsweise der Verurteilung für eine Tat, ob tatsächlich begangen oder nicht - zu treffen. Viel zu oft treten Strafgefangene und Gefängnisinsassen fast vollständig hinter ihren Aussagen zurück, und man erfährt nichts über ihren 'Fall', ihre Lebensgeschichte oder persönliche Einzelheiten. Auf Dohn Elis Homepage zum Beispiel findet sich nicht viel mehr als Elis Postanschrift und folgender Satz: "I am an inmate at Oregon State into art and weight lifting. If you are interested in maybe becoming pen-pals send me a letter telling me about yourself." (The Homepage of Dohn Eli. www.geocities.com/SoHo/Exhibit/6575/dohn_welcome.html).

Obwohl auch die Nichterwähnung als Aussage über das eigene Ich gewertet werden könnte, schienen mir für diese Arbeit vielmehr Aussagen interessant, die eine Beurteilung der eigenen Haftsituation oder des Konzepts der Haft allgemein explizit machen, ein gewisses politisches Bewußtsein im Sinn oben formulierter Fragestellung deutlich machen, oder als Voraussetzung für die Bildung eines solchen Bewußtseins gewertet werden könnten.

Zahlreiche Internetseiten mit Informationen über das Criminal Justice System und die Situation der Gefängnisinsassen, Organisationen und Gruppierungen oder offenen Foren zu ihrer Unterstützung bieten unter anderem "Art Galleries" mit Beispielen für bildliche Gefangenenkunst oder Gedichten von Gefangenen. Auch einzelne Gefangene zeigen solche Art Galleries auf in ihrem Namen betriebenen Seiten (z.B. Black Crow's Art Gallery. www.nativeweb.org/pages/legal/black_crow/index.html). Durch die Nichtbehandlung soll keine marginalisierende Aussage über Anzahl und Vielfalt künstlerischer Äußerungen von Gefängnisinsassen impliziert werden. Die hier behandelten Aussagen lassen keine verallgemeinernden Schlußfolgerungen zu und können der Vielfalt US-amerikanischer Gefängnisinsassen nicht gerecht werden. Sie können jedoch in ihrer subjektiven Auswahl und Abfolge Reaktionen auzeigen, die sich einem möglichen Weg der Beurteilung der eigenen Haftsituation bei Gefängnisinsassen zuordnen lassen.

3. Beispiele für Aussagen

3.1. Schreiben als Akt der Selbstbehauptung im Gefängnis

Gefängnisinsassen sind ständig mit einer oppressiven Umgebung von physischer und psychischer Gewalt konfrontiert. Sie müssen sich ebenso in einem - teils bewußt willkürlichen - System aus Befehl und Gehorsam gegenüber ihren Wärtern wie im Mikrokosmos ungeschriebener Gesetze und Wechselwirkungen innerhalb ihrer speziellen Situation in der Gefängnispopulation zurechtfinden.[6] Für viele Gefangene ist das Schreiben die einzige Möglichkeit, ihre "Verurteilung zum Schweigen" zu durchbrechen und Kontakt zur Außenwelt herzustellen. Bell Gale Chevigny sieht darin die Möglichkeit, in der unmenschlichen Umgebung des Gefängnisses ein Stück weit Menschlichkeit zu erhalten, zumindest ein Gefühl der Kontrolle wiederzuerlangen: So stelle das Schreiben oft den Unterschied dar im Ausspruch "Do time or be done by it":

While jaihouse chroniclers risk censure to map the outer reality of prison, other [prison] writers face subtler dangers to chart the inner experience. Rather than transcend their environment by anatomizing it, they sound its depth to gain some measure of control, keep body and mind intact, and even nurture the soul.
(Chevigny xxiv)

Chevigny hängt dem "selbst-rehabilitativen" Konzept des Schreibens an, wie es auch vom Auswahlkomitee des PEN Prison Writing Project propagiert wird (xix, xxx). Schreiben kann als Hilfe zur Bewältigung der eigenen Situation dienen. Die Verbalisierung des Schreibakts kann die kritische Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt fördern und die Gefahr der Selbstaufgabe im Gefängnis mindern. Insofern hat das Schreiben selbst eine Schutzfunktion gegenüber der totalen Auslieferung an die Gefängniswelt. So kann "Prison writing" auch als "ownership of a prisoner's written self", als (Wieder-)Inbesitznahme des eigenen Selbst über die transportierten Inhalte gesehen werden; Gefangene erlangen so über die Möglichkeit der Selbstdefinition ein Stück weit die Kontrolle über ihr Leben - oder zumindest 'ihre Geschichte' - zurück (Cummins 264f).

Die Kontaktaufnahme zur Außenwelt kann aber auch entscheidend sein für das rein physische Überleben im Gefängnis, kann die nötige öffentliche Aufmerksamkeit initiieren, ohne die es oft unmöglich wäre, Schritte gegen das vollständige Ausgeliefertsein im Gefängnis zu unternehmen. Bill Dunne schreibt in Cages of Steel:

When official actions, including court proceedings, are taken in the light and under the scrutiny of outside lawyers and the public, they must be done at least a little more correctly.
(Churchill und Vander Wall 42)

(Robert) Standing Deer Wilson erhielt 24 Tage Einzelhaft und man verweigerte ihm seine Herzmedikamente wegen der Veröffentlichung eines Gast-Editorials im Huntsville Item, das ein Gedicht eines ehemaligen Mitgefangenen enthielt (- der Artikel war zuvor bereits mehrfach veröffentlicht worden). Darüber hinaus verlor er für ein weiteres Jahr die Berechtigung zum Antrag auf vorzeitige Entlassung beziehungsweise Umwandlung der Reststrafe in Bewährung. Er schreibt im Internet:

I was held incommunicado without a charge for 13 days (never mind their "Rules of Disciplinary Procedure" [...] The rules also say that in pre-trial hearing you will be allowed all your property. I couldn't even get a stamp, envelope, pencil, or sheet of paper out of my property [...] But through an extralegal resource I was able to get word out. Bonnie Kerness of the Control Unit Project of the American Friends Committee was the first to post my situation on the Internet, then Anna Dobbyn in San Antonio, Zoitista, and now my wife has Peter D. Erricho's web page in Boston. So the cards and letters poured in, along with faxes and phone calls and telegrams. By March 26, 1998, I had received 1,600 letters, and people were calling the prison, faxing the warden and director and writing outraged letters. Whoever thinks that emergency responses are a waste of time and resources can argue with me because if it had not been for the Power of the People, I would be dead today.
(Step Into the Nightmare. www.nativeweb.org/pages/legal/sdnightmare.html (4f))[7]

Es erscheint also aus mehreren Gründen ganz natürlich, daß Gefangene aus ihrer Erfahrung des Eingesperrtseins und der Isolation Kontakt mit der Außenwelt suchen. Gefängnisinsassen, die es geschafft haben, jemanden zu finden, der Inhalte in ihrem Namen im Internet veröffentlicht, haben bereits einen ersten Schritt in diese Richtung getan. In dieses Bild fügen sich auch die zahlreichen Internetseiten zur Vermittlung von Brieffreundschaften mit Gefängnisinsassen, wie etwa im "Pals Online Network" (www.penpal-network.com).

Gefängnisinsassen sind aber nicht nur mit erheblichen Einschränkungen in ihren Kommunikationsmöglichkeiten konfrontiert, sie gehen mit ihren Aussagen - und mehr noch mit der Veröffentlichung ihrer Aussagen - erhebliche Risiken ein. Unterschiedliche Regelungen für einzelne Gefängnistypen wie "jails" und "prisons", Unterschiede zwischen Staaten- und Bundesebene und erhebliche Unterschiede der Einstufung nach 'Sicherheitskategorien' machen allgemeine Aussagen über die Möglichkeiten der Kommunikation für die Gefängnisinsassen sehr schwierig. Schreibmaterialien können ohne weiteres entzogen werden. Ebenso gibt es für Wärter und Gefängnisverwaltungen wirkungsvolle Methoden, jeden Kontakt der Gefangenen zur Außenwelt zu unterbinden. Immer wieder berichten Gefangene davon, daß ihre Post geöffnet wurde und man ihnen sogar Briefe ihrer Anwälte und andere wichtige juristische Unterlagen vorenthielt; Telephongespräche werden abgehört (vgl. Cummins 239; 273f). Obwohl unter dem Eindruck der Gefängnisbewegung bereits Ende der 60er Jahre erhebliche Verbesserungen erzielt wurden - in Kalifornien etwa mit Verabschiedung des Penal Code 2600, der sogenannten "Prisoner Bill of Rights" - haben US-amerikanische Gefängnisinsassen bis heute Schwierigkeiten, etwa aus dem 1. Amendment abgeleitete verfassungsmäßige Rechte einzufordern (Cummins 131-33; vgl. hierzu z.B. The Top Ten Non-Frivolous Lawsuits Filed by Prisoners. www.prisonwall.org/ten.htm).

So sind Aussagen von Gefängnisinsassen auch heute immer Ausdruck des Machbaren gegen legale und illegale Formen der Zensur. Überhaupt entsteht manchmal der Eindruck, US-amerikanische Gefängnisinsassen bewegten sich in einem quasi-rechtsfreien Raum. Bill Dunne etwa beschreibt das Bundesgefängnis in Marion als "constitution free zone" (Churchill und Vander Wall 57). Eines der bekanntesten und derzeit im Internet heiß diskutierten Beispiele zu diesem Thema liefern die Methoden des Sheriff Joe Arpaio in Maricopa County, Arizona, der sich seine ganz eigene Utopie vom "gerechten" Strafvollzug erfüllt hat - inklusive Polizeistaat. Er sendet neuerdings über zwei Webcams Live-Bilder aus seinem County Jail; Insassen, die noch nicht einmal dem Richter vorgeführt wurden, sind lediglich durch eine rote Aufschrift auf ihren gestreiften Anzügen gekennzeichnet. Daß auf Sheriff Joes "Fesselstuhl", einer "Ruhighaltevorrichtung", bereits ein Mensch durch Elektroschocks zu Tode kam, störte weder ihn noch den Richter im folgenden Verfahren.[8]

Für Wärter und Gefängnisbehörden reicht das Spektrum der Methoden, Gefangene zum Schweigen zu bringen, von bloßer physischer Gewalt bis zu subtileren Maßnahmen. Manchmal kann schon die Verleumdung bei den Mitgefangenen als Informant, als "rat" oder "snitch", ausreichen. In oben zitiertem Text berichtet Standing Deer Wilson von einer weiteren Methode, mißliebige Gefangene zumindest für einige Zeit ruhigzustellen: Man verlegt sie kurzerhand von einem Gefängnis zum anderen und läßt sie so wochenlang in den Mühlen der Bürokratie verschwinden - oft kombiniert mit "disziplinarischer Einzelhaft" für den Gefangenen. Dadurch werden etwaige Kontakte zur Außenwelt wirkungsvoll gekappt; der Gefangene ist oft für Monate nicht zu erreichen, Adressen nur schwer ausfindig zu machen. Gesendete Post wird aus den fadenscheinigsten Gründen nicht zugesandt. Darüber hinaus wird der Gefangene aus dem Bezugssystem seiner Mitgefangenen in eine neue Umgebung gebracht, was ihn für weitere Angriffe zusätzlich verwundbar macht. In den Gefängnisjargon hat diese Praxis als "diesel therapy", "bus therapy", "grey goose therapy" oder "round robin" Eingang gefunden (vgl. Prisoner's Dictionary. dictionary.prisonwall.org; s. a. Aman 33f).

3.2. Gefangene als Versuchsobjekte in Hochsicherheitsgefängnissen

Ein wesentlich drastischeres Bild zeigt sich für in sogenannten "Special Housing Units" oder "Control Units" in Hochsicherheitsgefängnissen isolierte Gefangene.[9] Offenbar bestehen keine klaren Richtlinien für die Verlegung in solche Anstalten - jedenfalls keine, auf die sich Gefangene berufen könnten (Churchill und Vander Wall 59). Diese Willkürlichkeit kann als abschreckende Drohung zumindest für Gefängnisinsassen des "federal prison system" gewertet werden. Dr. Mutulu Shakur, Anthony X Bradshaw, Malik Dinguswa und andere Mitglieder des New Afrikan [sic] Independence Movement bezeichnen die Programme der "Control Units" als gezielte Maßnahmen der "behavior modification", gerichtet gegen Vertreter bestimmter politischer Einstellungen mit der Absicht, sie zu brechen oder zu vernichten. Gleichzeitig weiten sie diesen Vorwurf auf den gesamten Strafvollzug aus:

We charge that at present, and for some time now, there is and has been a very clear and systematic program of low intensity warfare perpetually in motion in the prisons across America. Also, this program, brutally alive as well, is no mere accident, no loosely controlled haphazard affair. No, it is part of a precise, coordinated, careful, well-thought out program that embraces the most scientific and subtle techniques of brainwashing, of psychological infiltration, of menticide. [...] They know that through isolation, through the systematic removal, inclusion, or manipulation of key sensory stimuli, they can attack a prisoner's mind and reduce him or her to a warped, subservient state characterized by feelings of lethargy, listlessness and hopelessness [...].
[...] Right now there are literally thousands of people subjected to this program. It is an essential feature of the American penal system. The penal system is designed to break minds, to create warped and aberrated personalities, and isolation and sensory deprivation play a most singular and unique role in this. In general, all prisoners are targeted. Even the staff themselves become victimized by the same system they blindly seek to uphold. You cannot dehumanize people without yourself becoming dehumanized in the process. Yes, all prisoners are targeted, and the harshness of their treatment varies only in degree with the most severe treatment being meted out to those with some political consciousness or those who are in prison for political offenses.
(Genocide Against Black Nation in the U.S. Penal System. www.efn.org/~chinosol/geniii (5f))

In einem weiteren Artikel schreibt Mutulu Shakur:

So prisons have become the battle ground in a war of attrition designed to reduce prisoners to a state of submission essential to their ideological conversion. That failing, the next option in a deadly sequence is to reduce the prisoner to a state of psychological incompetence sufficient to neutralize them as self-directing antagonists. That failing, the only option left is to destroy the prisoner, preferably by making them desperate enough to destroy themselves.
(Another Crime Bill. www.efn.org/~ironplow/mutulush (3))

Dabei sehen Mutulu Shakur und andere die Gefangenen in den sogenannten "Control Units" als Opfer eines planvoll und gezielt ausgeführten experimentellen Vorgehens gegen politische Gefangene, um die so gewonnenen Erkenntnisse "psychologischer Kriegsführung" dann in einem Programm der "low intensity warfare" und "counterinsurgency" auf bestimmte Gruppen in der Gesamtbevölkerung anzuwenden. Die theoretisch-wissenschaftlichen Voraussetzungen dafür stammten von dem Sozialforscher Dr. Edward Schein, der seine (an Kriegsgefangenen im Koreakrieg gesammelten) Erkenntnisse bereits 1961 dem Federal Bureau of Prisons vorgelegt habe. Die Anwendung des von Dr. Schein präsentierten 24-Punkte-Programms für die erfolgreiche Anwendung von "behavior modification" und "brainwashing" bei Gefängnisinsassen sei zumindest für das sogenannte "Asklepeion program" im United States Prison (USP) Marion nachgewiesen; die daraus resultierenden Anwendungen würden jedoch bis heute fortgeführt. Dabei prangern Mutulu Shakur und seine Co-Autoren auch die zwangsweise Verabreichung psychogener Drogen wie Thorazin (Chlorpromanzin), Prolixin (Fluphenazine) und Haldol (Haloperidol) an (Genocide Against Black Nation in the U.S. Penal System. www.efn.org/~chinosol/geniii (3f)).

Scheins 24-Punkte-Liste wird in beiden hier zitierten Artikeln aufgeführt. Referenzen zu Scheins Theorie des "Unfreezing", "Changing" und "Refreezing" und seine Empfehlungen, diese in US-amerikanischen Gefängnissen anzuwenden, finden sich ebenso in Mike Ryans Artikel "Solitude as Counterinsurgency - The U.S. Isolation Model of Political Incarceration" in Cages of Steel (Churchill und Vander Wall 84ff). Dr. Scheins Vorschlag, sein sogenanntes "Koreanisches Programm" der "coercive persuasion" auch auf "prisons, religious orders, educational institutions, mental hospitals" und "thought reform centers" auszuweiten (Schein, Schneier und Barker 285), fügt sich übrigens in besonderer Weise ins Bild der bei Cummins zitierten Forderungen der Nixon-Administration nach "besonderen Hochsicherheitsgefängnissen" für "revolutionäre Gefangene" (231). Mike Ryan legt allerdings nahe, daß die "experimentelle Phase" der 70er Jahre keineswegs abgeschlossen sei:

In fact, the development of the control units in Marianna and Florence suggest a new and intensified phase of experimentation. It is also clear that no state would spend many millions of dollars annually simply to control several hundred prisoners. There are cheaper and easier ways were that the only goal.
(Churchill und Vander Wall 107)

Oben gezeigte Argumentation wird auch in Bill Dunnes Ausführungen in Cages of Steel deutlich, der aus eigener Erfahrung die vernichtenden psycho-sozialen Effekte der Isolationshaft in der vollständigen Unsicherheit jedes Aspektes der eigenen Existenz und dem bewußt willkürlichem System aus Irrationalität und "double wrong non-choices" beschreibt. Er erklärt, daß nicht nur, aber besonders Gefangene mit politischen Überzeugungen gerade aufgrund ihrer identifizierbaren "belief systems" die wahrscheinlichsten Opfer experimenteller Programme der "Control Units" wie im USP Marion werden (Churchill und Vander Wall 65; 71).

Schenkt man diesen Aussagen Glauben, entstehen einerseits erhebliche Zweifel an der Erwartbarkeit politischer Aussagen von Gefängnisinsassen. Wie aus Dunnes Beschreibungen hervorgeht, schaffen besonders Hochsicherheitsgefängnisse eine Atmosphäre, in der jeder Lebensaspekt der Gefangenen als wirkungsvolle "Waffe" gegen sie gerichtet werden kann (Churchill und Vander Wall 59). Man kann nicht erwarten, daß Gefangene sich durch politischen Aussagen der Gefahr aussetzen, sich zur Zielscheibe physischer Gewalt und psychologischer Angriffe zu machen. Unterschiede zwischen den einzelnen Gefängnistypen wirken sich hier - nach Mutulu Shakurs Ausführungen - lediglich in graduellen Unterschieden im Ausmaß dieser (sehr realen) Bedrohung aus. Jedoch erklärt Dunne:

Ability to resist and extent of the stress inflicted vary. If they did not, there would be no need for experimental station Marion. There is [...] a counter-current to Marion oppression that works to engender a consciousness among its victims of their commonality, their shared adversity, their shared "us" status versus the oppressor "them."
(Churchill und Vander Wall 71)

Die Beispiele von Mutulu Shakur und anderen Angehörigen des Black Liberation Movement und New Afrikan Independence Movement zeigen, daß gerade Gefängnisinsassen mit starken politischen Überzeugungen, besonders wenn sie politisch organisiert sind (und sie - wie für die oben zitierten Autoren gilt - bereits vor ihrer Inhaftierung politisch aktiv waren), größere Chancen haben, ihre Gefängniserfahrungen "ungebrochen" zu überleben. Wenn ihre Aussagen einen größeren Rücklauf zurück in die Gefängnisse finden, könnten sie zu Symbolfiguren einer neuen Politisierung unter den Gefängnisinsassen werden.[10] In diese Richtung weist auch eine auf der "Prison Law Page" unter "One Convict's View" abgestellte anonyme Meinung eines Gefängnisinsassen. Er schreibt:

Has anyone given any thoughts or passed on your respects to our brothers and sisters who have been locked up in the SHU [Special Housing Unit] all these years? [...] I for one, realize that some good people not only had sacrificed so much, but some even gave their lives for me. It's really sad that we do not have that type of leadership among us today.
(www.prisonwall.org/jimbo.htm (1))

Oben angesprochenes Zusammengehörigkeitsgefühl des "shared 'us' status versus the oppresor 'them' " wird besonders in Mutulu Shakurs Aussagen explizit, ebenso wie die hier geäußerte Notion des "leadership": "Brothers and Sisters we need each other. Political prisoners in America will continue fighting for "our" human rights. However, we must understand that we are all in this together. (Another Crime Bill. www.efn.org/~ironplow/mutulush (4)) Zusammen mit Anthony X Bradshaw und anderen schreibt er:

They concentrate extra hard on the political prisoner because the political prisoner has the clearest understanding about the true nature of things, about the exploitative relationships that prevail. Accordingly, they concentrate extra hard on the political prisoner because she or he has the greatest potential for awakening and organizing the rest of the prisoners.
(Genocide Against Black Nation in the U.S. Penal System. www.efn.org/~chinosol/geniii (6))

Die Selbstdefinition von Gefängnisinsassen als 'politische Gefangene' ist nicht unproblematisch, jedoch kommt allen Gefangenen, die den Status des 'politischen Gefangenen' oder 'sozialen Gefangenen' (vgl. Churchill und Vander Wall 16) für sich in Anspruch nehmen, eine besondere Rolle im Sinn dieses "potential for awakening and organizing" zu.

3.3. "Beating The System" und das "Jackson Phenomenon"

Joseph E. McCormicks Artikel "Beating The System" in einer online gestellten Ausgabe des Journal of Prisoners on Prisons von 1994 weist zunächst in eine andere Richtung. Dennoch findet sich hier ein weiterer Aspekt, der - obwohl in seinem Artikel explizit nicht als Aufruf zu offener Opposition oder gar politischem Widerstand verstanden - auf eine mögliche Voraussetzung für eine politische Bewußtseinsbildung im Gefängnis hindeuten könnte. Aus seinen Aussagen geht zwar einerseits ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl im Sinn des oben erwähnten "Wir gegen sie" hervor:

We have merely become the currency for a professional class "living off the avails" of crime. It is time to wake up to the reality that "crime pays" only for those people who depend upon our folly: judges, police officers, attorneys, law clerks, guards and psychologists. [...] We are the rejects of a socio-economic system without compassion or pity.

Jedoch warnt er vor Hoffnungen auf grundlegende Veränderungen oder Reform; deshalb - oder vielleicht trotzdem - ist Widerstand für ihn nicht der richtige Weg:

Don't get hood-winked by "do-gooders" for change. Those few crusaders who seek abolition and reform are zealots in a lost case. [...] The smart way is not the path many of us have continually taken: defiance, conflict with the "man", doing time in the hole to prove something that nobody really understands or respects anyway. Investing energy in destructive behaviour only destroys the individual. The "cystem" [sic] will survive unscathed long after we are faded memories and forgotten numbers. [...] To beat the system, we need only to decide to treat ourselves with the respect and dignity that every human deserves. We need to decide individually that "we are worth investing personal effort in!"
(Beating The System. www.jpp.org/fulltext-v5/v5n1-d.html (1))

Demnach liege die einzige Hoffnung in der Überwindung eigener Minderwertigkeitsgefühle, in der Bereitschaft, die eigene Haftsituation als Chance zu begreifen, an sich zu arbeiten. Der "smarte Weg, das System zu besiegen" liege in Lernbereitschaft und Bildung. McCormick schreibt: "Individually and collectively we can create and demand a positive learning environment. Demand the most from the system. [...] Avail yourself of every possible opportunity, then demand more. You'll be amazed by what you can accomplish!" ((Beating The System. www.jpp.org/fulltext-v5/v5n1-d.html(2))

Die Entwicklung des US-amerikanischen Stafvollzugssystems (vor und nach 1994) läßt an der Validität einer solchen Perspektive zweifeln. Letzlich geht es McCormick bei "training" und "education" darum, die Chancen auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft ("skills for coping sucessfully in society") nach der Entlassung zu erhöhen, oder Qualifikationen für mögliche zukünftige Jobs zu erwerben; so erinnert sein Lösungsansatz stark an rehabilitative Ideale der "do-gooders", die er kritisiert. Gefängnisinsassen können sich nicht mehr auf eine zumindest dem Anspruch nach rehabilitative Ausrichtung des Strafvollzugs berufen: Auch wenn es richtig sen mag, alle sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen - wie es McCormick fordert - können sie die zugehörige "rehabilitative Rhetorik" nicht mehr für ihre Belange nutzen und gegen die Gefängnisse wenden, wie es Eric Cummins für die "treatment era" beschreibt (3f; 253-269).

Zwar geht es dabei nicht so sehr um die Teilnahme an weiterbildenden Kursen oder formellen Bildungsangeboten für Gefangene, aber gerade die auch aus McCormicks Aussage sprechende grundsätzliche Lernbereitschaft und die Bereitschaft, an sich zu arbeiten, können als Voraussetzung für politische Bewußtseinsfindung dienen. Dabei können sich US-amerikanische Gefangene auf zahlreiche historische Beispiele berufen. Wie Franklin beschreibt, erhielten Texte wie The Autobiography of Malcom X (1965), Eldridge Cleavers Soul on Ice (1968) oder George Jacksons Soledad Brother (1970) und Blood in My Eye (1972) entscheidenden Einfluß auf die spätere Produktion von Gefängnistexten. Dabei dienen die drei hier genannten Persönlichkeiten immer wieder als Beispiele dafür, wie "common criminals" in ihrer Gefängniserfahrung zu politischem Bewußtsein und 'politischer Berufung' finden (vgl. Franklin 233ff). In einem Artikel über die Definitionsschwierigkeiten als "Political Prisoner" oder "Prisoner of War" beruft sich Sanyika Shakur auf eben dieses Motiv unter dem Titel "Flowing in File: The George Jackson Phenomenon":

When combatants or political activists who belong to organized formations within the New Afrikan Independence Movement are captured, they are necessarily accorded POW [Prisoner of War] or PP [Political Prisoner] status. This is both tactical and strategic. [...] Moreover, We need to include into Our overstanding [sic] of the above, what myself and a few others have called the George Jackson Phenomenon. [...], common criminals can/have, through arduous study and struggle, transformed their mentalities into productive mindsets with proletarian consciousness, working in concert with organized formations to rebuild and free the land. [...] Andaliwa [Clark] became a political prisoner while in prison. This is equally true for Shaka Shakur in Indiana; Gaidi Olugbala, Talib Kashif Shakur, and myself here in California.The list is quite extensive.[Hervorhebung hinzugefügt]
(Flowing in File: The George Jackson Phenomenon. www.efn.org/~chinosol/shakur (2))

"Arduous study" und "struggle" ehalten hier eine besondere Bedeutung. Wie Sanyika Shakur erklärt, beanspruchen inhaftierte Angehörige des New Afrikan Independence Movement oder des Puerto Rican Independence Movement "aus strategischen Gründen" den Status des "Prisoner of War". Obwohl er auf den folgenden Seiten seines Artikels auch für den Status des "Political Prisoner" eine relativ enge Definition präsentiert, die die Assoziation mit bestimmten Gruppen oder Personen vorauszusetzen scheint (ebd. (3)), betont auch er ein weiter gefaßtes Wir-Gefühl, das er unter dem Konzept der Internen Kolonisierung auf das Verhältnis zur gesamten Gesellschaft ausgeweitet wissen will:

We need to overstand that literally We all are in custody. That's what colonialism means. As such, We are prisoners in a general penitentiary, a socio-economic lockdown, complete with twenty-five foot philosophical walls, topped by ideological razorwire, and ringed by guntowers armed with theoreticians who aim to disable and kill.

Wieder unter Berufung auf George Jackson tritt hier auch das Element der Weitergabe des gewonnenen politischen Bewußtseins an andere Mitgefangene hinzu:

Comrade Jackson was "redeemed" from criminality through study and struggle. He then "attempted to transform" others who were still afflicted by criminality. To "attempt to transform" means a recognition of and therefore an overstanding of how a situation occured, and subsequently, a practical method for its resolution. His position was: Prisoners must be reached and made to understand that they are victims of social injustice. This is my task working from within (while I am here, my persuasion is that the war goes on no matter where one may find himself (herself) on bourgeois-dominated soil). The sheer numbers of the prisoner class and the terms of their existence make them a mighty reservoir of revolutionary potential. [...] (Flowing in File: The George Jackson Phenomenon. www.efn.org/~chinosol/shakur (2f))

Ob und in wieweit Gefängnisinsassen, die für sich den Status des "politischen Gefangenen" in Anspruch nehmen, heute zu politischer Bewußtseinsbildung und einer eventuellen Politisierung ihrer 'gewöhnlichen' Mitgefangenen in der "mainline" beitragen können, hängt sicherlich von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren und Wechselwirkungen ab, die hier nicht behandelt werden können. Auch wenn politisch motivierte Aussagen von Gefängnisinsassen als gemeinsames Element die Einstellung des oben zitierten "shared 'us' status versus the oppressor 'them' " erkennen lassen (was selbstverständlich nicht zwingend ist) und dieses "us" auf alle Gefängnisinsassen im Sinn einer hier genannten "prisoner class" (Jackson) angewendet wird, weisen auch solche Äußerungen eine große Bandbreite der verschiedensten Einstellungen und Überzeugungen auf.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, daß politische Aussagen auch unter Gefängnisinsassen nicht unumstritten sind, und 'politische Gefangene' oder sogenannte "politicals" von ihnen oftmals eher kritisch gesehen werden. Über Möglichkeiten einer Politisierung kann also nur spekuliert werden. Ronald Del Raine zum Beispiel erwähnt auf der in seinem Namen betriebenen Homepage nicht nur weltanschauliche und politische Hindernissse, die ironischerweise an Sanyika Shakurs "philosophical walls" und "ideological razorwire" erinnern; er kritisiert auch den - innerhalb wie außerhalb der Gefängnisse geführten - Streit um die Selbsteinschätzung als 'politischer Gefangener', sowie die Uneinigkeit zwischen den Gefangenen, die einen solchen Status für sich in Anspruch nehmen, beziehungsweise zwischen Gruppen und Gruppierungen, denen sie angehören. Er schreibt:

Who is a political prisoner? Among the tiny segment of United States citizens who are even aware of, or concerned with, such an endangered species, there are hotly debated differences of opinion as to who is a legitimate political prisoner. Lengthy polemics are printed and bruited about amongst the already-converted, advocating particular criteria for inclusion. Certain free-world supporters demand that only members of their ethnic group, their party, their religion, or their sect (or sectlet) be so labeled. Other qualifications might include political actions by those so selected (a sensible requirement). Then the controversy continues with further disagreement as to what to label the prisoner, i.e. political prisoner, prisoner-of-war, or perhaps further down the hierarchy, politically conscious prisoner. (Political Prisoner - Bill Dunne. delraine.www4.50megs.com/dellast.htm (1))

Und an anderer Stelle:

Of the dozens of "political prisoners" I've known in the last 28 years while being shuttled hither and yon in the vast and rapidly expanding Bureau of Prison's Gulag, Lorenzo "Komboa" Irvin is the only one who's done anything useful after release. These camps have many motor-mouth, rhetorical-revolutionaries. [...] One should at least compare the conversation/pronouncements with the actions. Is there a contradiction? If so, why? But there are a few true blue, tried and tested over time, intelligent, educated "anti-establishment" lads in Uncle Sam's slammers. [...] Yet, sadly, amongst most of the political cons I find a pattern of tactical failings. [...] Unfortunately, those few groups (and grouplets) extant seem to expend much of their time, energy and effort castigating others of the left for some slight deviation from their interpretation of the one and only politically correct party line. A little tolerance of others errors and more cooperation, even though you disapprove of their ideology [...] might lead to more effective action against the behemoth. As I tell some cons, even though I don't like you, your actions or ideas, if we're locked into two separate outhouses sliding into a cesspool, and we can save ourselves by throwing a rope to the other one and hooking a stump, then let's cooperate. If we don't, Big Brother's Juggernaut may crush us all individually. So, if one espouses Communism (sharing the wealth more equitably and denying the existence of an invisible man living in that glorious land high above the sky), or even, gasp, racial separation (oh my goodness, gracious, me oh my, how horrid) and they are weakening the powers-that-be, even in some small manner, then why consider them the main enemy? (Comrades. delraine.www4.50megs.com/del4.htm (2f))

Trotz Del Raines Aufruf zu Kooperation und Gemeinsamkeit in der Sache bleiben Zweifel, inwieweit Gefängnisinsassen, die den Status des 'politischen Gefangenen' für sich in Anspruch nehmen, zu einer breiteren Politisierung der Gefängnispopulationen beitragen können. Eine solche Politisierung kann nicht als homogenes Phänomen verstanden werden. Voraussetzung aber wäre, daß mehr und mehr Gefängnisinsassen Form und Funktion der Gefängnisse in ihrem sozialen Kontext begreifen. Cummins beschreibt die nachträgliche Redefinition von Straftaten zu "politischen Taten" als "dangerous conflation of all crime with political crime" (188f). Wird Verbrechen jedoch als direkte Folge sozialer Umstände verstanden, können Gefangene (trotz zahlreicher trenndender Elemente) über ein Zugehörigkeitsgefühl zu bestimmten sozialen Schichten und der Überzeugung, Opfer gezielter Unterdrückung zu sein, zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl gelangen, das über ein bloßes "Wir gegen sie" hinausgeht und auf die Bildung eines 'Klassenbewußtseins' im Sinne einer "prisoner class" hinweist. Dies führt zurück zur Definition des 'politischen Gefangenen'. Churchill schreibt:

On the one hand there are multitudes who engage in often desperate acts intended simply to vent their legitimate rage at the sorry social status assigned to them, or better their deprived material position (however slightly and tansiently). On the other hand, there is a far smaller group whose "criminal conduct" is motivated by a desire, and often guided by a theory, to transform the social order into something more positive for the oppressed, less profitable for the oppressor. The former might rightly be called "social prisoners." The latter are properly defined as political prisoners.
(Churchill und Vander Wall 16)

Churchills Erwartung, daß die Verschlechterung sozio-ökonomischer Bedingungen besonders für African-Americans und Angehörige anderer Minderheiten zu einer erhöhten Intensität des 'politischen Kampfes' führen werde, ist kombiniert mit der Überzeugung, daß Gefängnisse dazu dienen, 'politisch Bewußte und diejenigen, die am wahrscheinlichsten zu einem politischen Bewußtsein finden' gezielt zu unterdrücken (Churchill und Vander Wall 18). Ob andererseits Gefängnisinsassen am wahrscheinlichsten zu politischen Einstellungen (im Sinn Churchills) finden, wird zur Bedingung haben, daß Gefängnisinsassen ihre Haft im Sinne einer derartigen Unterdrückung begreifen.

4. Ergebnisse

Weingartner legt in ihrer TV-Dokumentation nahe, daß Gefängnisinsassen ein verstärktes Zusammengehörigkeitsgefühl über die Appropriation von über die Medien verbreiteten Images entwickeln und Kriminalisierung und Gefängniserfahrung integrierende Bestandteile bestimmter Subkulturen geworden sind. Leider fanden sich bei meinen Recherchen keine Aussagen von Gefängnisinsassen, die explizit auf eine derartige Einschätzung der eigenen Haftsituation verweisen. Die oben gezeigten Aussagen können zwar in dieser Richtung gesehen werden, das Internet erscheint jedoch nicht als geeignetes Medium, um Aussagen über die Selbstsicht von Gefangenen und den Grad einer möglichen Politisierung zu treffen. Die hier päsentierten Beispiele können nur als erste Hinweise gewertet werden. Wie erwähnt, kann ein Rückfluß der Aussagen von Gefängnisinsassen zurück in die Gefängnisse über das Internet nicht stattfinden.

Vielmehr liegt nahe, daß ein solcher Austausch - soweit möglich - über Printmedien stattfindet. Zum Beispiel erwähnt Standing Deer Wilson in oben zitiertem Artikel neben anderen Materialien die Buchtitel Cages of Steel, Can't Jail the Spirit, und With the Power of Justice in our Eyes. (Step Into the Nightmare. www.nativeweb.org/pages/legal/sdnightmare.html (3)). Zum Teil wörtliche Übereinstimmungen in Mutulu Shakurs Aussagen mit Texten von Mike Ryan legen nahe, daß ihm Ryans Artikel auch vor Entstehung des Buches Cages of Steel zur Verfügung standen, in dem Mutulu Shakur mit mehreren Co-Autoren über die rechtliche Situation von inhaftierten Angehörigen der "National Liberation Movements" berichtet (vgl. Churchill und Vander Wall 152-173). Wie aus den bei Cummins beschriebenen Wechselwirkungen hervorgeht, stellt der Austausch von Ideen zwischen Gefängnisinsassen und der 'Außenwelt' eine wichtige Voraussetzung für eine wirkungsvolle Politisierung dar. Über das Internet kann sehr wohl versucht werden, die nötige öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, die für eine wiederbelebte kritische Bewertung der Situation der Gefängnisinsassen nötig wäre. Inhalte, die sonst nur schwer zu veröffentlichen wären, können ohne großen Aufwand im Internet zugänglich gemacht werden.

Das gilt auch für Aussagen von Gefängnisinsassen, sofern diese jemanden finden, der ihre Aussagen für sie ins Internet stellt und sie entsprechende Texte 'nach draußen' weitergeben können. Ebenso kann über das Internet auf anderweitig unterdrückte Inhalte aufmerksam gemacht werden. So findet sich etwa auf der Homepage der Prison Legal Notes der Hinweis: "Check Out the Article That Instigated a Ban on the May Issue of PLN" (www.prisonlegalnews.org). Internetseiten können als "resource center" für "prison activists" dienen, wie die Seite www.prisonactivist.org schon in ihrer Namensbezeichnung zeigt (Prison Activist Resource Center. www.prisonactivist.org ). Über das Internet können sogenannte "emergency responses" initiiert werden, und eine Vielzahl von Websites dient dazu, gezielt auf die Situation einzelner Gefängnisinsassen aufmerksam zu machen. Allerdings läßt sich die tatsächliche Reichweite solcher Aussagen nicht abschätzen - selbst sogenannte "hit counts" auf einigen Websites sind bekanntermaßen nicht wirklich aussagekräftig. Aufgrund der besonderen medialen Eigenschaften des Internet und (letztlich nicht zu klärender) Nutzungsgewohnheiten der gezielten und ungezielten Informationssuche ist zu bezweifeln, ob ausschließlich über das Internet zugänglich gemachte Aussagen und Inhalte ihren Weg zu einer breiten Öffentlichkeit finden und entsprechende Kommunikationschancen tatsächlich genutzt werden.

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The Anarchist Black Cross at Infoshop: American Gulag www.infoshop.org/gulag.abc.html

Center on Juvenile and Criminal Justice www.cjcj.org

Crime Magazine: An Encyclopedia of Crime www.crimemagazine.com

Critical Criminology Homepage (American Society of Criminology ASC)www.critcrim.org

Freespeech.org www.freespeech.org

Getting Real! (Deepdish TV) www.igc.apc.org/deepdish/lockdown/features/index.html

The Justice Project www.justice.policy.net

National Coalition To Abolish The Death Penalty: Death Penalty Websiteswww.ncadp.org/links.html

Native American Spiritual Freedom in Prison www.geocities.com/capitolhill/9118/rf.html

The North Coast Express Archives www.sonic.net/~doretk/ncxarchives.html

Prison Moratorium Project www.nomoreprisons.org

Prison Reform Unity Project www.prup.net

Endnoten

  1. Die Zahlen basieren auf dem Uniform Crime Report von August 1990; s. Churchill und Vander Wall, 1992. 27f.[zurück]
  2. vgl. Gibbons, Don C. Society, Crime, and Criminal Careers: An Introduction to Criminology. 3. Aufl. Englewood Cliffs, New Jersey: Patience Hall, 1977. Kap. 8: "Sociogenic Approaches: Social Structure and Criminality." 185-211; insbes. "Racism and Crime." 200-203 u. "Radical Criminology." 204ff; vgl. a. allgemein Walker, Samuel, Cassia Spohn, und Miriam DeLone. The Color of Justice: Race, Ethnicity, and Crime in America. Belmont, u.a.: Wadsworth, 1996.[zurück]
  3. Zahlen der Bureau of Justice Statistics vom Juni 2000 ergeben jeweils pro 100 000: "Males: 1,297; Non-Hispanic white males: 683; Non-Hispanic Black males: 4,777; Hispanic males: 1,715." "Research on the Prison Industrial Complex". n.pag. Online. Internet. www.prisonsucks.com (URL vom 02.05.01).[zurück]
  4. vgl. Online-Ausgaben von Magazinen; z.B. Journal of Prisoners on Prisons. Online. Internet. www.jpp.org (URL vom 01.04.01), Chain Reaction. Online. Internet. www.worksintl.com/chainreaction (URL vom 07.05.01), Wazo Weusi (Think Black). Online. Internet. www.efn.org/~chinosol (URL vom 02.05.01).[zurück]
  5. 11 dieser Webrings sind verlinkt unter Truth In Action. Online. Internet. www.truthinaction.net/index.htm (URL vom 03.05.01). vgl. Pals Online Network. Online. Internet. www.penpal-network.com (URL vom 03.05.01); s. a. The Long Road: A Free Prisoner Pen Pal Site. Online. Internet. www.tbns.net/longroad/index.html (URL vom 03.05.01).[zurück]
  6. Einen Einblick in diese "eigene Welt" des Gefängnisses liefern hier zum Beispiel Sammlungen von "prison slang": Im Internet z.B. Prisoner's Dictionary. Online. Internet. http://dictionary.prisonwall.org (URL vom 05.05.01).[zurück]
  7. Standing Deer Wilson, Robert. "Step Into the Nightmare." n.pag. Online. Internet. www.nativeweb.org/pages/legal/sdnightmare.html (URL vom 11.04.01). (4f) Durch Klammern gekennzeichnete Seitenzahlen für nicht paginierte Nur-Text-Artikel im Internet sind als Anhaltspunkte gedacht und beziehen sich auf folgende Einstellungen: Schrift mit variabler Breite: Times New Roman, Grad 12; mit fester Breite: Courier New, Grad 10; Seitenansicht.[zurück]
  8. Maricopa County Sheriff's Office Home Page. Online. Internet. www.mcso.com (URL vom 03.03.01); vgl. a. Unofficial Joe Arpaio's Web Site For Tough Guys. Online. Internet. www.phoenixnewtimes.com/specialprojects/arpaio/index.html (URL vom 03.03.01); mit Sheriff Arpaio beschäftigt sich auch eine ZDF-Dokumentation der Reihe "37 Grad": Schaefer-Trench, Marianne. Aut. Ein Mann räumt auf: Die gnadenlosen Methoden des Sheriff Joe. TV-Dokumentation. ZDF, 2000. Informationen zur Sendung im Internet unter www.zdf.de/wissen/37grad/45180/index.html (URL vom 07.05.01).[zurück]
  9. Der Begriff der "Sicherheitsverwahrung" wird hier bewußt vermieden, um keine falschen Analogien herzustellen. Mike Ryan vergleicht das zugrundeliegende Konzept mit dem in den 70er Jahren geprägten Begriff des "Toten Flügels" in Stammheim. Ryan, Mike. "Solitude as Counterinsurgency - The U.S. Isolation Model of Political Incarceration." Hg. Churchill und Vander Wall, 1992. 83-109. 83f; vgl. Ryan, Mike. "The Stammheim Model: Judicial Counterinsurgency." New Studies on the Left Bd. 14, Nr. 1-2 (Spring-Summer 1989). 45-68.[zurück]
  10. Es ließen sich zahlreiche Beispiele für politische Gefangene in den USA nennen, die bereits seit vielen Jahren einen besonderen Status auch und gerade unter Gefängnisinsassen besitzen und sogar internationale Unterstützung erhalten. Für einige ihrer bekanntesten Vertreter s. Churchill und Vander Wall, 1992. 1-19.[zurück]
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